Ratgeber
Albträume: Ursachen, Folgen und Hilfe
Albträume sind lebhafte, bedrohliche Träume, aus denen du aufwachst und an die du dich gut erinnerst. Gelegentliche Albträume kennen die meisten Erwachsenen; Stress, Angst, unregelmäßiger Schlaf, manche Medikamente und belastende Erlebnisse machen sie häufiger. Rauben sie dir regelmäßig den Schlaf, hilft eine Vorstellungsübung, bei der du den Traum umschreibst und die neue Fassung tagsüber übst.
Albträume sind Träume, die sich echt anfühlen, im Verlauf immer bedrohlicher werden und dich schließlich wecken. Meist geht es um eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben, oft auch um andere belastende Themen, die Angst, Wut oder Scham auslösen [1]. Nach Angaben der amerikanischen Fachgesellschaft für Schlafmedizin (AASM) berichten 50 bis 85 Prozent der Erwachsenen von gelegentlichen Albträumen [1]. Zum Problem werden sie, wenn sie so häufig kommen, dass du nicht mehr genug Schlaf bekommst. Dann sprechen Fachleute von einer Albtraumstörung, und die lässt sich gut behandeln [1, 2].
Was im Schlaf bei einem Albtraum passiert
Albträume entstehen meist im REM-Schlaf, der Schlafphase mit schnellen Augenbewegungen. Er macht etwa 20 bis 25 Prozent der gesamten Schlafzeit aus, und jede REM-Phase wird im Lauf der Nacht länger, die letzte dauert bis zu einer Stunde. Deshalb treten Albträume am ehesten im letzten Drittel der Nacht auf [1]. Wie sich die Schlafphasen abwechseln, erklärt der Ratgeber Schlafphasen und Schlafzyklus. Albträume nach einem traumatischen Erlebnis, etwa bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), können auch früher in der Nacht kommen [1].

Nach dem Aufwachen bist du schnell klar im Kopf und erinnerst dich meist genau an den Inhalt [1]. Ein beunruhigender Traum, der dich nicht weckt, gilt in der Fachsprache als schlechter Traum und noch nicht als Albtraum. In einer Nacht können mehrere Albträume vorkommen, oft mit ähnlichen Themen [1].
Albtraum oder Nachtschreck?
Einige andere Schlafstörungen werden leicht mit Albträumen verwechselt. Die wichtigsten Unterschiede:
| Ereignis | Typische Zeichen | Beleg |
|---|---|---|
| Albtraum | Aufwachen aus dem REM-Schlaf, eher am Ende der Nacht; schnell orientiert, genaue Erinnerung an den Traum | [1] |
| Nachtschreck (Pavor nocturnus) | Aufschrecken aus dem Tiefschlaf mit Herzrasen, Schreien oder Um-sich-Schlagen, eher im ersten Drittel der Nacht; verwirrt, kaum Erinnerung | [1, 4] |
| REM-Schlaf-Verhaltensstörung | Lebhafte, oft actionreiche Träume werden im Schlaf ausagiert; Verletzungsgefahr für dich und die Person neben dir, gehört ärztlich abgeklärt; am häufigsten bei Männern mittleren Alters | [1] |
Ein Kind mit Nachtschreck lässt sich nicht trösten und weiß am nächsten Morgen nichts mehr davon. Nach dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) ist der Nachtschreck bei Kindern harmlos und hat nichts mit Albträumen zu tun [4].
Wie häufig Albträume sind
Albträume können jeden treffen, eine Albtraumstörung ist aber vergleichsweise selten. Die AASM schätzt, dass 2 bis 8 Prozent der Menschen Albträume haben, die ihren Schlaf stören [1]. In ihrem Positionspapier zur Behandlung nennt sie eine Häufigkeit der Albtraumstörung von etwa 4 Prozent der Erwachsenen in den USA [2]. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) schreibt, dass bei etwa 5 Prozent der Bevölkerung Albträume einmal pro Woche oder häufiger auftreten und damit zur Belastung werden [3].
Mit dem Alter werden Albträume seltener und weniger heftig. Frauen berichten häufiger davon als Männer. Die AASM merkt dazu an, dass Frauen auch offener über ihre Träume sprechen [1]. Bei Kindern sind Albträume besonders häufig, mehr dazu weiter unten.
Ursachen und Auslöser
In den meisten Fällen bleibt unklar, warum jemand Albträume hat. Stress, Angst, ein unregelmäßiger Schlafrhythmus und Übermüdung erhöhen das Risiko [1]. Schlafmangel kann die Albträume zusätzlich verstärken, was leicht zu einem Kreislauf wird: Wer aus Angst vor dem nächsten Albtraum schlecht schläft, träumt umso heftiger [1]. Wie eng Stress und Schlaf zusammenhängen, beschreibt der Ratgeber Stress und Schlafprobleme.
Auch Medikamente kommen als Auslöser infrage. Die AASM nennt Antidepressiva und Mittel gegen Bluthochdruck oder gegen Parkinson [1]. Allgemein können Wirkstoffe, die auf die Botenstoffe Noradrenalin, Serotonin und Dopamin wirken, Albträume hervorrufen, ebenso das Absetzen bestimmter Mittel, die den REM-Schlaf unterdrücken [2]. Setz ein Medikament deshalb nicht eigenmächtig ab. Sprich vorher mit der Praxis, die es verordnet hat.
Albträume, die den Schlaf stören, hängen außerdem oft mit anderen Schlafstörungen, körperlichen Erkrankungen, psychischen Erkrankungen wie Depression, Angststörungen oder PTBS und mit Suchterkrankungen zusammen [1]. Nach schwerem Stress oder einem traumatischen Erlebnis kehrt häufig derselbe Albtraum wieder, und Betroffene erleben das Geschehen im Traum noch einmal [1]. Bis zu 80 Prozent der Menschen mit einer PTBS berichten von Albträumen, und Albträume nach einem Trauma sagen eine spätere PTBS voraus [2]. Wenn dich neben den Albträumen auch tagsüber Sorgen und Anspannung begleiten, kann der Angst-Test beim Einordnen helfen.
Wann aus Albträumen eine Albtraumstörung wird
Entscheidend ist der Schlaf. Bei einer Albtraumstörung bekommst du wegen der Träume nicht genug Schlaf [1]. Viele Betroffene fürchten sich vor dem Zubettgehen, wachen ängstlich auf und können danach nicht wieder einschlafen. Tagsüber sind sie dann schläfrig [1]. Nach dem Positionspapier der AASM mindert die Störung die Lebensqualität, führt dazu, dass Betroffene den Schlaf meiden, und kann psychische Belastungen auslösen oder verstärken [2].
Die AASM empfiehlt ein Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt, wenn deine Träume Gefühle wie Angst, Wut, Traurigkeit oder Ekel auslösen, wenn du nach dem Aufwachen sofort klar denken kannst, wenn die Träume oft am frühen Morgen kommen und wenn du danach schwer wieder einschläfst [1]. In der Praxis wird gefragt, seit wann du Albträume hast, wie oft sie kommen, worum es darin geht und welche Medikamente oder Substanzen du nimmst. Manchmal sollst du zwei Wochen lang ein Schlaftagebuch führen. Weitere Untersuchungen sind meist nicht nötig. Ist der Schlaf stark gestört oder besteht der Verdacht auf eine andere Erkrankung, kann eine Nacht im Schlaflabor folgen [1]. Wie stark Albträume dich gerade beeinträchtigen, zeigt der Alptraum-Häufigkeit-Test.
Was gegen Albträume hilft
Gelegentliche Albträume brauchen in den meisten Fällen keine Behandlung [1]. Anders ist es bei einer Albtraumstörung mit stark gestörtem Schlaf und Tagesschläfrigkeit. Dann empfiehlt die AASM eine Behandlung durch Fachleute für Verhaltenstherapie im Bereich Schlaf [1].

Als einzige Methode hat die AASM die Imagery Rehearsal Therapy ausdrücklich empfohlen, auf Deutsch etwa Vorstellungsübung. Sie ist eine abgewandelte Form der kognitiven Verhaltenstherapie und wird bei Albträumen im Rahmen einer PTBS ebenso eingesetzt wie bei einer Albtraumstörung ohne diesen Hintergrund [2]. Du veränderst dabei den Inhalt eines wiederkehrenden Albtraums, entwirfst neue, positive Bilder und übst diese neue Fassung im Wachzustand 10 bis 20 Minuten pro Tag [2]. Ziel ist, dass der Traum weniger beängstigend ist, wenn er wiederkommt [1]. Neun randomisierte Studien haben die Methode untersucht, bei Menschen mit und ohne PTBS [2].
Weitere Verfahren kommen nach der AASM infrage, auch wenn die Belege für sie weniger klar sind. Dazu gehören die kognitive Verhaltenstherapie, Hypnose, das Training von Klarträumen, bei denen du im Traum merkst, dass du träumst, die progressive Muskelentspannung und die systematische Desensibilisierung, bei der du dich schrittweise den Trauminhalten aussetzt, um die Angst davor zu verringern [1, 2]. Hilfreich kann auch sein, Stress im Alltag abzubauen und Entspannung zu lernen, damit du vor dem Einschlafen und nach einem Albtraum leichter zur Ruhe kommst [1]. Hängen die Albträume mit einem Trauma zusammen, braucht es oft eine intensivere Psychotherapie [1].
Einige Medikamente bewertet die AASM als mögliche Option, zwei rät sie bei der Albtraumstörung ausdrücklich ab [2]. Ob ein Medikament für dich infrage kommt, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du etwas gegen Albträume einnimmst. In Deutschland gibt es nur wenige Einrichtungen, die sich auf Albträume spezialisiert haben. Die DGSM führt eine Liste dieser Anlaufstellen, darunter Hochschulambulanzen und psychotherapeutische Praxen [3]. Wenn es dir sehr schlecht geht, findest du Anlaufstellen und Telefonnummern auf der Seite Hilfe finden.
Albträume bei Kindern
Bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren sind Albträume besonders typisch. Bis zur Hälfte der jüngeren Kinder hat so heftige Albträume, dass sie ihre Eltern wecken. Sie erreichen ihren Höhepunkt bis etwa zum zehnten Lebensjahr, danach werden sie meist seltener [1]. Kleine Kinder erleben Träume als Wirklichkeit, deshalb kann die Angst lange nach dem Aufwachen anhalten. Ab etwa drei Jahren erinnern sich viele Kinder noch Tage oder Wochen später an einen Albtraum [4].
Nach einem Albtraum braucht dein Kind vor allem Trost und Verständnis. Kann es schon sprechen, könnt ihr über den Traum reden [4]. Die AASM rät, schnell zu reagieren, wenn dein Kind aufwacht, ihm zu versichern, dass auch Erwachsene Albträume haben, und ein kleines Nachtlicht oder ein Kuscheltier zu erlauben [1]. Das BIÖG berichtet von der Erfahrung von Schlaftherapeuten, dass es helfen kann, die Figuren aus dem Traum am nächsten Tag malen zu lassen und gemeinsam einen neuen, guten Ausgang zu überlegen [4].
Albträume hängen bei Kindern öfter mit Belastungen zusammen, etwa mit beängstigenden Eindrücken am Tag, mit zu viel und nicht kindgerechtem Fernsehen oder bei Schulkindern mit Leistungsdruck. Belastende Themen besprichst du deshalb besser tagsüber, und in der letzten Stunde vor dem Einschlafen sollte der Fernseher aus bleiben [4]. Hat dein Kind, meist ab dem sechsten Lebensjahr, regelmäßig ein- oder mehrmals pro Woche Albträume, rät das BIÖG, sich an die Kinderarztpraxis zu wenden [4]. Ob der Schlaf deines Kindes insgesamt auffällig ist, kannst du mit dem Check für Eltern einschätzen.
- Fachgesellschaft Nightmares. American Academy of Sleep Medicine (AASM), sleepeducation.org. Stand 10.2020. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie Position Paper for the Treatment of Nightmare Disorder in Adults: An American Academy of Sleep Medicine Position Paper. J Clin Sleep Med 14(6):1041 bis 1055. Morgenthaler TI, Auerbach S, Casey KR u. a., American Academy of Sleep Medicine. Stand 15.06.2018. abgerufen am 28.10.2026
- Fachgesellschaft Anlaufstellen für Alptraumbehandlung. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Stand 19.04.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Albträume, Nachtschreck und Schlafwandeln. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de. Stand 18.11.2025. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
Passt dazu
-
Ratgeber Schlafen bei Schichtarbeit
Schichtarbeit und Schlaf: warum der Tagschlaf nach der Nachtschicht so kurz ist, wie Raum, Licht und Koffein helfen und …
-
Ratgeber Jetlag vermeiden
Jetlag vermeiden: wie du deine Schlafzeiten vor dem Flug verschiebst, Licht am Ziel richtig nutzt, mit Nickerchen umgehst …
-
Ratgeber Sozialer Jetlag
Sozialer Jetlag entsteht, wenn du am Wochenende viel später schläfst als unter der Woche.
-
Tests Jetlag-Risiko-Rechner
Jetlag-Rechner: Gib Zeitverschiebung und Flugrichtung ein und sieh, wie viele Tage deine innere Uhr nach den Werten des CDC …