Ratgeber
Schlaf im Alter: Was sich verändert und wann es ein Problem ist
Im Alter wird der Schlaf leichter. Der Tiefschlaf nimmt ab, ältere Menschen wachen nachts häufiger auf und morgens früher. Weniger Schlaf brauchen sie im Allgemeinen nicht. Halten Ein- oder Durchschlafprobleme über einen Monat in mindestens drei Nächten pro Woche an und beeinträchtigen den Tag, sollte die Hausarztpraxis das abklären.
Schlaf im Alter fühlt sich für viele anders an als mit 30 oder 40: Man wacht nachts öfter auf, liegt morgens früher wach und fühlt sich trotzdem nicht immer erholt. Ein Teil davon ist normal, weil sich der Schlaf über das ganze Leben verändert. Ein anderer Teil hat Ursachen, die sich behandeln lassen, etwa Schmerzen, nächtlicher Harndrang oder Atemaussetzer. Dieser Ratgeber erklärt, was sich ab etwa 60 verändert, wie viel Schlaf ältere Menschen brauchen, was hilft und warum Schlafmittel im Alter besonders vorsichtig eingesetzt werden.
Was sich am Schlaf im Alter verändert
Der größte Unterschied betrifft die Schlaftiefe. Der Tiefschlaf nimmt mit dem Alter ab, der Leichtschlaf nimmt zu [2]. Kleine Kinder und ältere Menschen schlafen deshalb leichter als Jugendliche und Erwachsene mittleren Alters [1]. Auch der Traumschlaf, die REM-Phase, wird ab etwa 60 etwas kürzer [1]. Ältere Menschen wachen nachts häufiger auf, schlafen insgesamt kürzer und wachen morgens früher auf [2].
Das Einschlafen dauert mit den Jahren etwas länger, allerdings weniger als man denkt. Zwischen 20 und 80 Jahren verlängert sich die Einschlafphase nach Angaben des IQWiG insgesamt um weniger als 10 Minuten [1]. Eine Auswertung von 65 Studien mit gesunden Menschen zwischen 5 und 102 Jahren fand bei Erwachsenen mit zunehmendem Alter weniger Gesamtschlaf, weniger Tiefschlaf und mehr Wachzeit nach dem Einschlafen. Nach dem 60. Lebensjahr veränderte sich allerdings nur noch die Schlafeffizienz deutlich, also der Anteil der Zeit im Bett, in der man tatsächlich schläft [3]. Wie stark die Unterschiede ausfielen, hing in diesen Studien davon ab, ob Menschen mit Krankheiten, Schlafapnoe oder Medikamenten ausgeschlossen waren [3]. Ein Teil der Veränderungen, die man dem Alter zuschreibt, kann also mit Erkrankungen zusammenhängen.
Kurzes Aufwachen gehört zu jeder Nacht. Ein gesunder Erwachsener wacht nach gesund.bund.de etwa 20-mal pro Nacht kurz auf, meist ohne es zu bemerken [2]. Mit dem leichteren Schlaf im Alter werden mehr dieser Wachmomente bewusst.
Wie viel Schlaf ältere Menschen brauchen
Ältere Menschen schlafen im Durchschnitt kürzer. Daraus folgt nicht, dass sie weniger Schlaf brauchen. Nach gesund.bund.de brauchen sie im Allgemeinen nicht weniger Schlaf als jüngere Erwachsene [2]. Die US-amerikanische National Sleep Foundation empfiehlt Menschen ab 65 sieben bis acht Stunden pro Nacht [4].
| Alter | Typische Schlafdauer oder Empfehlung | Beleg |
|---|---|---|
| 40 Jahre | im Durchschnitt etwa 7 Stunden | [1] |
| 55 bis 60 Jahre | im Durchschnitt etwa 6,5 Stunden | [1] |
| 80 Jahre, gesund | im Durchschnitt etwa 6 Stunden | [1] |
| Erwachsene von 18 bis 64 | Empfehlung 7 bis 9 Stunden pro Nacht | [4] |
| ab 65 Jahren | Empfehlung 7 bis 8 Stunden pro Nacht | [4] |
Die Durchschnittswerte des IQWiG beschreiben, wie lange Menschen tatsächlich schlafen. Der Bedarf ist von Mensch zu Mensch verschieden [1]. Ob dein Schlaf reicht, zeigt sich am ehesten daran, wie du dich am Tag fühlst.
Früher müde, früher wach
Viele Ältere gehen früher schlafen und sind tagsüber weniger aktiv als in ihrer Berufszeit, und auch das wirkt auf den Schlaf [2]. Die innere Uhr verschiebt sich mit dem Alter nach vorn. Man wird abends früher müde, und der Körper meldet sich morgens früher, manchmal schon gegen 4 Uhr [6]. Wer früher ins Bett geht, aber am alten Aufstehzeitpunkt festhält, liegt morgens lange wach und erlebt das als Schlafstörung [6].
Schweizer Schlafforscherinnen und Schlafforscher rechnen dazu ein Beispiel vor: Wer eine Stunde Mittagsschlaf hält und um 22 Uhr ins Bett geht, kommt bei einem Aufwachen um 4 Uhr auf sieben Stunden Schlaf in 24 Stunden. Das kann völlig angemessen sein [6]. Frühes Erwachen hat in diesem Fall wenig Krankheitswert. Ein Schlafprotokoll über zwei Wochen hilft, die eigenen Zeiten einzuordnen [6].
Mittagsschlaf im Alter
Ein kurzer Mittagsschlaf von bis zu 30 Minuten kann neue Energie geben. Länger sollte er nicht dauern, damit das Einschlafen am Abend nicht schwerer wird [2]. Nickerchen werden mit dem Alter häufiger, auch weil die berufliche Belastung wegfällt, und verkürzen die Zeit, die man nachts noch schlafen kann [6]. Wer abends schlecht einschläft oder sehr früh aufwacht, kann ausprobieren, den Mittagsschlaf zu kürzen.

Wann aus Veränderungen eine Schlafstörung wird
Schlafprobleme sind im Alter verbreitet. Rund jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat Probleme beim Ein- oder Durchschlafen, bei Menschen über 60 ist es schätzungsweise jeder Zweite [2]. Eine Schlafstörung liegt nach gesund.bund.de erst vor, wenn die Probleme an mindestens drei Nächten pro Woche über mindestens einen Monat bestehen und Lebensqualität oder Leistungsfähigkeit beeinträchtigen [2]. Regelmäßige Probleme beim Ein- oder Durchschlafen sind laut IQWiG für gesunde Menschen in keinem Alter normal [1]. Ob das bei dir zutrifft, kannst du mit dem Insomnie-Check einordnen.
Häufig steckt eine andere Erkrankung dahinter. gesund.bund.de nennt chronische Schmerzen, häufigen nächtlichen Harndrang, Muskelzucken, Magen-Darm-Beschwerden, Diabetes Typ 2 und die Alzheimer-Demenz [2]. Etwa 25 Prozent der über 60-Jährigen haben eine Schlafapnoe mit Atemaussetzern im Schlaf, die obstruktive Form zeigt sich meist durch lautes Schnarchen [2]. Der Schlafapnoe-Risiko-Test hilft beim Einordnen. Bei unruhigen Beinen am Abend hilft der Restless-Legs-Check beim Einordnen.
Auch Medikamente können den Schlaf stören [2]. Die S3-Leitlinie zur Insomnie verlangt bei allen Betroffenen eine körperliche Abklärung, damit behandelbare Ursachen nicht übersehen werden. Eine Untersuchung im Schlaflabor sieht sie unter anderem vor, wenn andere Schlafstörungen ausgeschlossen werden müssen, ausdrücklich auch Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf im höheren Lebensalter [5].
Was im Alltag hilft
gesund.bund.de empfiehlt für den Schlaf im Alter vor allem Regelmäßigkeit und Tageslicht [2]:

- Tageslicht im Freien stabilisiert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Helles Licht vor dem Zubettgehen besser meiden.
- Bewegung an der frischen Luft tut gut und macht müde.
- Feste Zeiten zum Schlafengehen und Aufstehen und ein Abendritual wie Lesen oder ein warmes Bad helfen.
- Kaffee, Schwarztee und Cola nur vor dem Mittagessen trinken, Alkohol möglichst wenig, abends keine schwere, fettreiche Kost.
- Das Schlafzimmer sollte dunkel, ruhig und gut belüftet sein, mit etwa 16 bis 18 Grad.
- Wer nach 15 bis 30 Minuten noch wach liegt, steht auf und geht in einen anderen Raum, bis die Müdigkeit kommt. Nachts nicht auf die Uhr schauen.
Hält eine Insomnie an, ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) nach der S3-Leitlinie die erste Behandlung für alle Betroffenen, mit dem höchsten Empfehlungsgrad A [5]. Das gilt auch im Alter. Die Leitlinie führt mehrere Metaanalysen mit Menschen über 50, über 55 und über 60 Jahren auf, die deutliche Verbesserungen fanden [5]. Zur KVT-I gehören Wissen über Schlaf, Entspannung, eine vorübergehend verkürzte Bettzeit, Regeln für das Bett und Techniken gegen Grübeln [5]. Mehr dazu steht im Ratgeber Kognitive Verhaltenstherapie bei Schlaflosigkeit.
Schlafmittel im Alter
Medikamente gegen Schlaflosigkeit sind nach der Leitlinie der zweite Schritt, wenn die KVT-I nicht ausreichend geholfen hat oder nicht durchführbar ist. Bei älteren Menschen sollen sie nur mit großer Zurückhaltung eingesetzt werden [5]. Die Leitlinie begründet das mit den abnehmenden Organleistungen, vor allem des Gehirns, aber auch der Muskeln und Sinne. Dazu kommen viele Medikamente gleichzeitig: 80-Jährige nehmen im Schnitt acht Arzneimittel und haben im Schnitt 3,4 relevante Diagnosen [5]. Für fast alle Beruhigungs- und Schlafmittel sind Nebenwirkungen nachgewiesen, die im Alter besonders kritisch sind. Die Leitlinie nennt Stürze, Verwirrtheit, Delir und kognitive Einschränkungen bis hin zur medikamentös bedingten Demenz [5]. gesund.bund.de nennt zusätzlich Gangunsicherheit und ungewollten Urinverlust und weist darauf hin, dass bei dauerhafter Einnahme die Gefahr einer Abhängigkeit besteht [2].
Benzodiazepine und verwandte Wirkstoffe helfen laut Leitlinie in der Kurzzeitbehandlung bis zu vier Wochen, eine Langzeitbehandlung empfiehlt sie nicht [5]. Melatonin ist in Deutschland für die Kurzzeitbehandlung der Insomnie ab 55 Jahren zugelassen. Auch hier rät die Leitlinie von einer Langzeitbehandlung ab, und pflanzliche Mittel empfiehlt sie zur Behandlung der Insomnie nicht [5]. Ob und welches Mittel für dich infrage kommt, gehört in die ärztliche Sprechstunde. Setz verordnete Schlafmittel nicht auf eigene Faust ab, sprich mit deiner Praxis darüber. Hintergründe stehen im Ratgeber Schlaftabletten: Risiken und Abhängigkeit. Wenn du dir wegen Stürzen Sorgen machst, hilft der Sturzrisiko-Test beim Einordnen.
Wann du zum Arzt gehen solltest
gesund.bund.de rät zu einem Arztbesuch, wenn du deutlich weniger als sieben Stunden schläfst, mehr als zwei Stunden am Stück wach liegst und dich morgens erschöpft fühlst und das länger als vier Wochen anhält. Auch starkes Schnarchen und Schlafmangel, der über längere Zeit den Alltag beeinträchtigt, sind Gründe für einen Termin [2]. Schlafstörungen können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für Depressionen erhöhen [2].
- Behörde Was ist "normaler" Schlaf?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.07.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Gesunder Schlaf im Alter. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 23.04.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Meta-analysis of quantitative sleep parameters from childhood to old age in healthy individuals: developing normative sleep values across the human lifespan. Sleep 27(7):1255 bis 1273. Ohayon MM, Carskadon MA, Guilleminault C, Vitiello MV. Stand 2004. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation How Much Sleep Do You Really Need?. National Sleep Foundation. Stand 08.06.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen, Update 2025 (AWMF-Registernummer 063-003), Version 2.0. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM); Spiegelhalder K, Riemann D u. a.. Stand 2025. abgerufen am 28.10.2026
- Studie Kognitive Verhaltenstherapie: Behandlung von Schlafstörungen in den Wechseljahren. Frauenarzt 8/2023. Urech A, Rudzik F, Bassetti C, Vorster A, Swiss Sleep House Bern, Inselspital Bern. Stand 2023. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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