Ratgeber
Schlafapnoe: Welche Symptome typisch sind und wie die Diagnose abläuft
Typische Schlafapnoe-Symptome sind sehr lautes Schnarchen, Atemaussetzer von mehr als 10 Sekunden, die meist jemand anderes bemerkt, und starke Müdigkeit am Tag. Häufig kommen Kopfschmerzen und ein trockener Mund am Morgen, nächtliches Schwitzen, Harndrang und Konzentrationsstörungen dazu. Die Diagnose beginnt meist in der Hausarztpraxis und stützt sich auf eine Messung im Schlaf.
Die typischen Schlafapnoe-Symptome sind sehr lautes Schnarchen, Atemaussetzer im Schlaf, die meist jemand anderes bemerkt, und starke Müdigkeit am Tag [1]. Dazu kommen oft weniger eindeutige Zeichen wie Kopfschmerzen am Morgen, ein trockener Mund oder nächtlicher Harndrang.
Was bei einer Schlafapnoe im Schlaf passiert
Im Schlaf erschlafft die Muskulatur der oberen Atemwege. Bei einer obstruktiven Schlafapnoe verengt sich der Rachen dabei so stark oder verschließt sich ganz, dass die Atmung für mehr als 10 Sekunden aussetzt oder sehr flach wird. Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt, und das Atemzentrum löst eine kurze Weckreaktion aus, damit wieder geatmet wird. Meist wachen Betroffene dabei nicht richtig auf. Herzschlag und Blutdruck steigen, der Schlaf wird zerstückelt, und viele solcher Weckreaktionen können den erholsamen Tiefschlaf verhindern [1]. Die DGSM vergleicht den Vorgang mit einem Strohhalm, der zusammenfällt, wenn man ihn an einem Ende zudrückt und am anderen Ende saugt [2].
Nach der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) liegt eine obstruktive Schlafapnoe vor, wenn im Schlaf mehr als 15 Atemaussetzer und Phasen flacher Atmung pro Stunde auftreten oder mindestens 5 pro Stunde zusammen mit typischen Beschwerden oder passenden Begleiterkrankungen. Die Zahl heißt Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI). Liegt er über 15 und unter 30 pro Stunde, gilt die Schlafapnoe als mittelgradig, ab über 30 als schwer [3]. Schnarchen ohne solche Atemstörungen ist harmlos [1]. Wie sehr es dich und andere stört, kannst du im Schnarch-Check ordnen.
Die typischen Anzeichen
| Anzeichen | Wann und von wem es bemerkt wird | Beleg |
|---|---|---|
| Sehr lautes Schnarchen | nachts, meist von anderen | [1] |
| Atemaussetzer von mehr als 10 Sekunden | nachts, fast nur von anderen | [1, 4] |
| Plötzliches Aufwachen mit Herzrasen und Luftnot | nachts, von dir selbst | [1] |
| Nächtliches Schwitzen und häufiges Wasserlassen | nachts, von dir selbst | [1] |
| Trockener Mund und Kopfschmerzen | beim Aufwachen | [1] |
| Starke Tagesmüdigkeit bis zum ungewollten Einschlafen | tagsüber, oft auch von anderen | [1, 3] |
| Konzentrationsstörungen | tagsüber | [1] |
| Gedrückte Stimmung | tagsüber | [1] |
| Potenzprobleme | bei Männern | [1] |
Das führende Symptom ist nach der S3-Leitlinie die Tagesschläfrigkeit, bis hin zum ungewollten Einschlafen. Es gibt aber auch Betroffene, die nicht schläfrig sind oder ihre Müdigkeit nicht als Krankheitszeichen wahrnehmen [3]. Sekundenschlaf kommt vor allem bei ruhigen Tätigkeiten im Sitzen vor, etwa beim Lesen, im Konzert oder vor dem Fernseher, und am Steuer wird er gefährlich [1]. Wie oft du tagsüber ungewollt einnickst, fragt der Check zur Tagesschläfrigkeit genauer ab.

Die nächtlichen Atemaussetzer bleiben den Betroffenen selbst meist unbemerkt [4]. Oft ist es die Person, die neben dir schläft, die die Pausen im Atem hört. Für sie können die Aussetzer beunruhigend sein, akut gefährlich sind sie in der Regel nicht [1]. Wer allein schläft, hat diese Beobachtung nicht und ist auf die Zeichen am Morgen und am Tag angewiesen.
Schlafapnoe bei Frauen: oft andere Beschwerden
Männer haben häufiger eine Schlafapnoe als Frauen [1]. Mit zunehmendem Alter und nach den Wechseljahren wird die Häufigkeit bei beiden Geschlechtern nach Angaben der DGSM vergleichbar. Bei Frauen wird die Erkrankung trotzdem oft spät erkannt, im Vergleich zu Männern um bis zu zehn Jahre verzögert [5].
Ein Grund sind die Beschwerden. Lautes Schnarchen, Atemaussetzer und Tagesschläfrigkeit stehen bei Männern im Vordergrund. Frauen mit Schlafapnoe klagen deutlich häufiger über Ein- und Durchschlafstörungen, und Depressionen und Ängstlichkeit sind bei ihnen ausgeprägter. Diese Beschwerden lassen eher an eine Schlaflosigkeit oder eine Depression denken, und dann unterbleibt leicht die Frage nach Schnarchen und Atemaussetzern [5]. Viele ältere Frauen leben und schlafen außerdem allein, sodass niemand die Atemaussetzer beobachtet. In einer Untersuchung an Frauen nach den Wechseljahren, deren Ein- und Durchschlafstörungen schon über sechs Wochen anhielten, hatten über 60 Prozent eine Atmungsstörung im Schlaf. Die DGSM hält die Frage nach Atemaussetzern und Schnarchen deshalb gerade bei älteren Frauen mit Schlafproblemen für wichtig [5]. Du kannst sie in der Praxis auch selbst ansprechen.
In der Schwangerschaft nimmt das Schnarchen zu, laut DGSM von 3,7 Prozent zu Beginn auf 11,2 Prozent drei Monate vor der Geburt. Schwangere, die schnarchen und Atemaussetzer haben, sollen das ihrer Frauenarztpraxis schildern, damit sie weitere schlafmedizinische Untersuchungen veranlassen kann [5].
Wer besonders gefährdet ist
Das IQWiG nennt starkes Übergewicht als Risikofaktor, außerdem Besonderheiten im Mund- und Rachenraum wie vergrößerte Mandeln, einen zu kleinen Unterkiefer, die Lage der Zunge oder ein kleines Gaumensegel. Eine gestörte Nasenatmung trägt ebenfalls dazu bei, genauso wie übermäßiger Alkohol und Schlaf- oder Beruhigungsmittel, die die Atemmuskulatur erschlaffen lassen. Die Rückenlage kann eine Rolle spielen, ist aber selten die alleinige Ursache. Ab dem 45. Lebensjahr steigt das Risiko stetig [1]. Wo dein Gewicht liegt, zeigt dir der BMI-Rechner.
Wie viele Menschen betroffen sind, wird unterschiedlich geschätzt. Das IQWiG nennt rund 10 Prozent der Erwachsenen [1], das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums 3 Prozent der Frauen und 5 Prozent der Männer [4]. Die S3-Leitlinie berichtet aus den USA von etwa 13 Prozent der Männer und 6 Prozent der Frauen und von einem Anstieg in den letzten 20 Jahren. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die Schlafapnoe zwei- bis dreimal so häufig wie in der übrigen Bevölkerung [3].
Welche Folgen eine Schlafapnoe haben kann
Eine ausgeprägte Schlafapnoe macht dauerhaft schlapp und müde und kann die Stimmung drücken. Betroffene haben häufiger Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und ihr Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzrhythmusstörungen ist erhöht. Schlafmangel kann außerdem Konzentration und Gedächtnis beeinträchtigen. Eine wirksame Behandlung kann diese Folgen mindern [1]. Seltene, kurze Atemaussetzer ohne Tagesmüdigkeit sind dagegen in der Regel unbedenklich [1].
Auch beim Autofahren hat die Erkrankung Folgen. Nach der Fahrerlaubnis-Verordnung ist zum Führen eines Kraftfahrzeugs nicht geeignet, wer eine messbare auffällige Tagesschläfrigkeit hat. Bei mittelschwerer Schlafapnoe (15 bis 29 Atemaussetzer und Phasen flacher Atmung pro Stunde) und schwerer Schlafapnoe (ab 30 pro Stunde) besteht die Eignung unter geeigneter Behandlung wieder, wenn keine messbare auffällige Tagesschläfrigkeit mehr vorliegt. Dazu gehören eine ärztliche Begutachtung und regelmäßige Kontrollen, beim Pkw-Führerschein spätestens alle drei Jahre [6].
Der Weg zur Diagnose
Die erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis [1]. Für gesetzlich Versicherte legt die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses eine Stufendiagnostik fest [7]:
- Stufe 1: ein Gespräch über deinen Schlaf und deine Wachzeiten, möglichst auch mit der Person, die neben dir schläft, dazu standardisierte Fragebögen zur Tagesschläfrigkeit.
- Stufe 2: eine körperliche Untersuchung, unter anderem auf Hormon-, Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Störungen der Atmung sowie neurologische und psychische Erkrankungen.
- Stufe 3: Passt das Bild zu einer schlafbezogenen Atmungsstörung, folgt eine kardiorespiratorische Polygraphie während einer mindestens sechsstündigen Schlafphase.
- Stufe 4: Eine kardiorespiratorische Polysomnographie kommt dazu, wenn auch danach nicht zu entscheiden ist, ob eine Behandlung nötig ist. Sie soll über zwei aufeinanderfolgende Nächte laufen.
Vorab grenzt die Ärztin oder der Arzt gewöhnliches Schnarchen und andere Ursachen der Müdigkeit ab, darunter Wirkungen von Medikamenten, Alkohol und Drogen [7]. Für die Polygraphie kann dir die Praxis ein tragbares Gerät ausgeben, das nachts Atmung, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Schnarchen und Körperlage aufzeichnet. Im Schlaflabor werden zusätzlich unter anderem Hirnströme sowie Augen- und Beinbewegungen gemessen, und eine Videokamera zeichnet den Schlaf auf [1]. Wie eine Nacht dort abläuft, beschreibt der Ratgeber Schlaflabor. Polygraphie und Polysomnographie dürfen nur Ärztinnen und Ärzte mit Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung durchführen und abrechnen [7].
Wie eine Schlafapnoe behandelt wird
Am weitesten verbreitet und am besten untersucht ist die Überdrucktherapie mit einem CPAP-Gerät [2]. Über eine Maske strömt nachts Raumluft mit leichtem Überdruck und hält die Atemwege offen. Wer das Gerät nutzt, hat keine oder nur noch wenige Atemaussetzer, und die Tagesmüdigkeit nimmt meist spürbar ab. Häufige Nebenwirkungen sind ein trockener Hals und eine gereizte Nase, und manche empfinden die Maske als beengend [1]. Nach der S3-Leitlinie soll eine CPAP-Therapie bei mittelgradiger und schwerer Schlafapnoe erfolgen [3]. Eine erste Kontrolle sieht die G-BA-Richtlinie sechs Monate nach Beginn vor [7].

Eine Unterkieferprotrusionsschiene hält den Unterkiefer im Schlaf vorn und damit den Atemweg offen. Die Leitlinie nennt sie bei leicht- bis mittelgradiger Schlafapnoe als Alternative zur Überdrucktherapie, besonders bei einem Body-Mass-Index unter 30 und einer Schlafapnoe, die von der Körperlage abhängt [3]. Die gesetzlichen Kassen zahlen eine individuell angefertigte Schiene, wenn eine Überdrucktherapie nicht erfolgreich durchgeführt werden kann [7].
Bei starkem Übergewicht kann Abnehmen die Schlafapnoe abschwächen [1]. Geheilt wird sie dadurch meist nicht, und nimmt man wieder zu, kehren Schnarchen und Atemaussetzer zurück [2]. Wird die Schlafapnoe durch die Rückenlage verstärkt, können Lagetrainer helfen, die in Rückenlage vibrieren. Ihre Wirkung sollte im Schlaflabor kontrolliert werden. Für ausgewählte Menschen mit mittel- bis schwergradiger Schlafapnoe, bei denen die CPAP-Therapie nicht erfolgreich ist, gibt es einen Zungenschrittmacher, der den Unterzungennerv stimuliert, außerdem Operationen an Nase, Gaumen und Kiefer [2]. Medikamente spielen bei der Behandlung kaum eine Rolle [1]. Was bei Schnarchen ohne Atemaussetzer hilft, steht im Ratgeber Schnarchen: Was wirklich hilft.
Wann du dir Unterstützung holen solltest
Lass dich untersuchen, wenn deine Beschwerden anhalten [1], vor allem wenn jemand bei dir Atemaussetzer beobachtet hat, du tagsüber ungewollt einnickst oder nachts mit Luftnot aufwachst. Ob deine Beschwerden zu einer Schlafapnoe passen, kannst du vorab mit dem Schlafapnoe-Risiko-Test ordnen und das Ergebnis mit in die Praxis nehmen.
- Behörde Obstruktive Schlafapnoe. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.07.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Fachgesellschaft Obstruktive Schlafapnoe. Ratgeber für Patientinnen und Patienten. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), AG Apnoe. Stand redigiert 10.02.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen, Kapitel Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen, AWMF-Register-Nr. 063/001, Version 2.0 mit Teil-Aktualisierungen 2020 und 2023. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Stand 08/2017, verlängert 01/2023. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Obstruktive Schlafapnoe (OSA): Ursachen, Symptome und Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 04.04.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Fachgesellschaft Der Schlaf von Frauen. Ratgeber für Patientinnen und Patienten. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), AG Pathophysiologie. Stand redigiert 04.02.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Gesetz Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), Anlage 4, Nr. 11.2. Bundesministerium der Justiz. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung, Anlage I Nr. 3 (Polygraphie und Polysomnographie, §§ 2 bis 5) und Nr. 36 (Unterkieferprotrusionsschiene bei obstruktiver Schlafapnoe). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand in Kraft seit 09.09.2026. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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