Ratgeber
Durchschlafstörung: Warum du nachts aufwachst und was hilft
Bei einer Durchschlafstörung wachst du nachts häufig auf oder liegst danach lange wach. Häufige Ursachen sind Stress, Alkohol am Abend, nächtlicher Harndrang, Schmerzen, Hitzewallungen, Schlafapnoe, unruhige Beine, Depressionen und manche Medikamente. Schläfst du in mindestens drei Nächten pro Woche länger als einen Monat schlecht und leidest tagsüber darunter, solltest du das in der Hausarztpraxis abklären lassen.
Bei einer Durchschlafstörung schläfst du zwar ein, wachst aber nachts immer wieder auf oder liegst danach lange wach. Fachleute meinen damit unruhigen Schlaf, häufiges Aufwachen und längeres Wachliegen nach dem nächtlichen Erwachen [1]. Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen hat etwa ein Drittel der Menschen, Frauen und ältere Menschen sind häufiger betroffen [2]. Die Ursachen reichen von Alkohol am Abend über nächtlichen Harndrang bis zu Erkrankungen wie der Schlafapnoe, und manche davon lassen sich gezielt behandeln.
Wann nächtliches Aufwachen eine Störung ist
Dass man sich nachts manchmal schlaflos im Bett herumwälzt, hält das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) für normal. Zum Problem wird es, wenn du häufig schlecht schläfst und dich tagsüber entsprechend erschöpft fühlst [1]. Von einer Schlafstörung sprechen Fachleute bei Beschwerden in mindestens drei Nächten pro Woche über mehr als einen Monat [1]. Die internationale Klassifikation der Krankheiten ICD-11 verlangt für eine chronische Insomnie Beschwerden mindestens mehrmals pro Woche über mindestens drei Monate. Dazu kommen Folgen am Tag wie Erschöpfung, gedrückte Stimmung, Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme [4].
Eine eigene Form ist das frühe Erwachen. Dabei wachst du morgens deutlich früher auf als gewöhnlich und kannst nicht wieder einschlafen [1, 2]. Wenn du oft schon gegen 3 Uhr wach wirst, findest du mehr dazu im Ratgeber Jede Nacht um 3 Uhr wach.
Wie der Schlaf durch die Nacht läuft
Im Lauf einer Nacht wechselst du mehrmals zwischen Non-REM-Schlaf mit drei Stadien und REM-Schlaf, in dem die meisten Träume stattfinden [5]. Der erste REM-Schlaf beginnt etwa 90 Minuten nach dem Einschlafen. Tiefschlaf, aus dem man nur schwer zu wecken ist, kommt in längeren Abschnitten vor allem in der ersten Nachthälfte vor. Die REM-Phasen werden zum Morgen hin länger [5]. Den größten Teil der Nacht verbringst du im leichten Schlafstadium 2 [5].

Mit dem Alter ändert sich der Schlaf. Ältere Menschen verbringen weniger Zeit im REM-Schlaf [5]. Laut IQWiG schlafen Erwachsene im Durchschnitt ungefähr sieben Stunden, über 80-Jährige etwa sechs. Das sind Durchschnittswerte, manche Menschen brauchen mehr oder weniger Schlaf [1]. Die meisten Erwachsenen brauchen nach Angaben des US-amerikanischen National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) 7 bis 9 Stunden, auch im Alter. Ältere Menschen haben aber häufiger Mühe, genug Schlaf zu bekommen, und nehmen öfter Medikamente, die den Schlaf stören [5]. Wer mit 75 kürzer schläft als mit 40, hat also nicht automatisch eine Schlafstörung. Ausschlaggebend ist, ob dich der Schlaf tagsüber beeinträchtigt [1, 4].
Häufige Ursachen
Diese Auslöser für nächtliches Aufwachen nennen IQWiG, gesund.bund.de, die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) und weitere Fachquellen:
| Ursache | Wie sie den Schlaf stört | Beleg |
|---|---|---|
| Stress und belastende Ereignisse | Sorgen, eine Trennung oder eine schwere Erkrankung können den Schlaf über Wochen stören | [1] |
| Alkohol am Abend | Ungewohnter und übermäßiger Konsum vor dem Schlafengehen erleichtert das Einschlafen, führt aber im weiteren Verlauf der Nacht zu häufigem Erwachen, Schwitzen, Unruhe und Albträumen und kann frühes Erwachen begünstigen | [3] |
| Nächtlicher Harndrang | Einmal pro Nacht zur Toilette zu müssen, ist häufig. Regelmäßig mehr als einmal heißt Nykturie und ist meist Zeichen einer anderen Erkrankung | [6] |
| Schmerzen und Erkrankungen | Schmerzen sowie Erkrankungen der Schilddrüse, des Herzens oder der Lunge | [1, 2] |
| Hitzewallungen | Zum Beispiel in den Wechseljahren | [2, 11] |
| Schlafapnoe | Atemaussetzer von mehr als 10 Sekunden, plötzliches Erwachen mit Herzrasen oder Luftnot | [7] |
| Restless-Legs-Syndrom | Ungewollte Beinbewegungen im Schlaf verschlechtern das Durchschlafen | [8] |
| Depression | Schlafstörungen gehören zu den typischen Beschwerden, vor allem Durchschlafstörungen und Früherwachen, seltener Einschlafstörungen | [9] |
| Medikamente | Zum Beispiel Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, Kortison oder Betablocker | [2, 4] |
| Nikotin | Entzugserscheinungen können den Nachtschlaf unterbrechen | [3] |
| Lärm | Laute und unregelmäßige Geräusche, auch das Schnarchen der Person nebenan | [3] |
| Schichtarbeit | Schlaf zu wechselnden Tageszeiten | [1] |
Oft bleibt eine Durchschlafstörung bestehen, wenn der ursprüngliche Auslöser längst vorbei ist. Die Europäische Insomnie-Leitlinie beschreibt einen typischen Teufelskreis aus Angst vor der nächsten schlechten Nacht, Grübeln in der Nacht, innerer Anspannung und Verhaltensänderungen wie zu langen Zeiten im Bett [4]. Dieser Kreislauf kann sich auch dann entwickeln, wenn eine körperliche oder psychische Erkrankung oder ein Medikament den Anfang gemacht hat. Er muss dann womöglich eigens mitbehandelt werden [4]. Ähnlich beschreibt es die DGSM: Durch Stress ausgelöste Schlafstörungen halten bei vielen Menschen an, weil sich Anspannung und Angst vor Schlaflosigkeit eingeschliffen haben [3].
Körperliche Ursachen erkennen
Einige Ursachen lassen sich gezielt behandeln, wenn sie erkannt sind. Bei der obstruktiven Schlafapnoe setzt die Atmung im Schlaf immer wieder für mehr als 10 Sekunden aus. Typisch sind sehr lautes Schnarchen, plötzliches Erwachen mit Herzrasen oder Luftnot, häufiges Wasserlassen und Schwitzen in der Nacht, Kopfschmerzen am Morgen und starke Müdigkeit am Tag [7]. Etwa 10 Prozent der Erwachsenen sind betroffen, Männer häufiger als Frauen [7]. Ob deine Beschwerden dazu passen, kannst du mit dem Schlafapnoe-Risiko-Test einschätzen.
Beim Restless-Legs-Syndrom spürst du in Ruhe einen Drang, die Beine zu bewegen, abends und nachts am stärksten. Viele Betroffene bewegen die Beine im Schlaf zudem ungewollt und schlafen deshalb schlechter durch [8]. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer, und mit dem Alter wird die Erkrankung häufiger [8]. Der Restless-Legs-Check hilft beim Einordnen.
Musst du regelmäßig mehr als einmal pro Nacht zur Toilette, spricht die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin (AASM) von Nykturie. Schätzungsweise die Hälfte der Erwachsenen über 50 hat damit zu tun [6]. Meist steckt eine andere Erkrankung dahinter, auch eine Schlafapnoe oder ein Restless-Legs-Syndrom kommen infrage. Deshalb rät die AASM, häufigen nächtlichen Harndrang ärztlich abklären zu lassen [6]. Weniger trinken am Abend kann helfen. Wann du deine Medikamente nimmst, änderst du aber nur nach Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt [6].
Was du nachts tun kannst
Schau nicht auf die Uhr. Wer nachts nachrechnet, wie lange er schon wach liegt oder wie viel Zeit bis zum Wecker bleibt, setzt sich unter Druck, und diese Anspannung kann die Schlafstörung verstärken [3]. Kannst du nicht wieder einschlafen, steh auf und geh erst zurück ins Bett, wenn du das Gefühl hast, schlafen zu können. Das gilt besonders, wenn du anfängst, dich zu ärgern [3, 10]. Halte das Licht dabei gedämpft, denn Licht erschwert es, nach nächtlichem Aufwachen wieder einzuschlafen [5].

Versuch tagsüber nicht, verlorenen Schlaf nachzuholen. Längere Zeiten im Bett und Nickerchen, mit denen Betroffene schlechte Nächte ausgleichen wollen, halten Schlafprobleme laut Europäischer Leitlinie eher aufrecht: Der Schlaf wird bruchstückhafter, und die Schlafzeiten geraten durcheinander [4]. Die DGSM rät, jeden Tag zur selben Zeit aufzustehen, Tagschlaf und vor allem abendliches Einnicken vor dem Fernseher zu vermeiden und Alkohol nicht als Schlafmittel zu benutzen [3]. Ein bequemes Bett und ein ruhiger, abgedunkelter, eher kühler Raum mit frischer Luft gehören ebenfalls dazu [3]. Wer Sorgen mit ins Bett nimmt, kann den Tag laut DGSM vorher gedanklich abschließen und belastende Dinge auf eine To-do-Liste schreiben [3].
Abklärung und Behandlung
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Dort wird nach Medikamenten, Koffein, Alkohol, Stress und Erkrankungen gefragt, oft wird auch Blut abgenommen. Bei Verdacht auf nächtliche Atemstörungen oder Beinbewegungen kann eine Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll sein [1]. Für die Diagnose empfiehlt die Europäische Leitlinie neben dem Gespräch Fragebögen und ein Schlaftagebuch über mindestens 7 bis 14 Tage [4]. Aus deinen Einträgen errechnet die Schlaftagebuch-Auswertung deine Schlafeffizienz, und der Insomnie-Check ordnet ein, wie oft und wie lange deine Schlafprobleme auftreten.
Für eine chronische Insomnie empfiehlt die Europäische Insomnie-Leitlinie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) als Behandlung erster Wahl, auch wenn weitere Erkrankungen bestehen. Die Empfehlung hat den höchsten Empfehlungsgrad A [4]. Die KVT-I besteht aus Wissen über Schlaf, Entspannung, Bettzeitrestriktion, Stimuluskontrolle und Techniken gegen nächtliches Grübeln und läuft meist über vier bis acht Sitzungen [4]. Neuere Metaanalysen zur Insomnie ohne weitere Erkrankungen zeigen große Effekte auf die Schwere der Beschwerden, bei Nachuntersuchungen bis zu einem Jahr später noch kleine bis mittlere [4].
Schlafmittel kommen laut IQWiG nur bei schweren Schlafstörungen vorübergehend infrage. Benzodiazepine und Z-Substanzen haben viele Nebenwirkungen und können schnell abhängig machen [1]. Die Europäische Leitlinie setzt Medikamente erst ein, wenn die KVT-I nicht ausreichend hilft, und begrenzt sie in der Regel auf höchstens vier Wochen [4]. Ob ein Mittel für dich infrage kommt, klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Wenn du dich neben dem schlechten Schlaf seit Wochen niedergeschlagen fühlst und an kaum etwas Freude hast, hilft dir der Depressions-Test beim Einordnen. Früherwachen und Durchschlafstörungen sind häufige Beschwerden einer Depression [9].
- Behörde Schlafprobleme und Schlafstörungen (Insomnie). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.07.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Schlafstörungen. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 04.04.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Fachgesellschaft Ratgeber für Patientinnen und Patienten: Ein- und Durchschlafstörungen. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), AG Insomnie. Stand 09.02.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. J Sleep Res 32(6):e14035. Riemann D, Espie CA, Altena E u. a., European Sleep Research Society (ESRS). Stand 2023. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Brain Basics: Understanding Sleep. National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS), National Institutes of Health. Stand 25.02.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Fachgesellschaft Nocturia. American Academy of Sleep Medicine (AASM), sleepeducation.org. Stand 04.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Obstruktive Schlafapnoe. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.07.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Restless-Legs-Syndrom. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 25.09.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung Version 3.2. BÄK, KBV, AWMF (NVL-Programm). Stand 2022. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Was tun bei Schlafproblemen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.07.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Fachgesellschaft Insomnia. American Academy of Sleep Medicine (AASM), sleepeducation.org. Stand 09.2020. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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