Ratgeber
Schlaflabor: Wann du hinmusst und wie eine Nacht dort abläuft
Ins Schlaflabor kommst du meist erst, wenn Gespräch, Untersuchung und oft eine Messung zu Hause nicht ausreichen, etwa bei Verdacht auf Schlafapnoe, nächtliche Beinbewegungen oder eine Insomnie, die auf Behandlung nicht anspricht. Dort schläfst du eine oder mehrere Nächte in einem Einzelzimmer, während Sensoren Hirnströme, Atmung, Herzschlag, Sauerstoff und Bewegungen aufzeichnen. Die Messung ist schmerzfrei, die Ergebnisse bespricht die Ärztin oder der Arzt in einem eigenen Termin.
Ein Schlaflabor ist ein Raum, in dem dein Schlaf eine ganze Nacht lang gemessen wird: Hirnströme, Augen- und Muskelbewegungen, Atmung, Herzschlag und Sauerstoff im Blut, dazu ein Video [1, 4]. Die Fachbezeichnung für diese Messung ist Polysomnographie. Sie erfasst deutlich mehr als ein Messgerät für zu Hause und steht in Deutschland meist am Ende eines Weges, der in der Hausarztpraxis beginnt [1, 2, 4]. Hier erfährst du, wann eine Nacht im Schlaflabor sinnvoll ist, was dort passiert, wie du dich vorbereitest und was danach kommt.
Wann eine Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll ist
Ein häufiger Anlass ist der Verdacht auf eine Schlafapnoe, also auf Atemaussetzer im Schlaf, die länger als zehn Sekunden dauern [1]. Dazu kommen andere Störungen, die du selbst kaum bemerkst, weil sie im Schlaf passieren: unruhige Beine mit periodischen Bewegungen, ungewöhnliches Verhalten im Schlaf oder eine starke Schläfrigkeit am Tag, für die es keine Erklärung gibt [3, 4, 5].
| Anlass | Was das Schlaflabor klären soll | Beleg |
|---|---|---|
| Verdacht auf Schlafapnoe, wenn die Messung zu Hause keine Entscheidung erlaubt | ob eine Behandlung mit Atemtherapiegerät oder ein anderes Verfahren nötig ist | [2] |
| Beginn einer Atemtherapie mit CPAP-Gerät | Einstellung des Geräts unter Beobachtung, in der Regel zwei Nächte | [2] |
| Insomnie, die auf die Behandlung nicht anspricht | ob eine andere Ursache hinter den Schlafproblemen steckt | [3] |
| Hinweise auf Beinbewegungen, Atemstörungen oder im höheren Alter auf Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf | Ausschluss oder Nachweis dieser Schlafstörungen | [3] |
| Restless Legs, wenn die Diagnose unklar ist | Abgrenzung von anderen Erkrankungen | [5] |
| Starke Schläfrigkeit am Tag | Einschlafneigung und Wachbleiben am Tag mit eigenen Tests | [4] |
Bei Ein- und Durchschlafstörungen ohne weitere Hinweise brauchst du meist kein Schlaflabor. Die S3-Leitlinie zur Insomnie bei Erwachsenen hält Messgeräte für die Diagnose einer Insomnie nicht für zwingend nötig. Grundlage sind das Gespräch, eine körperliche Untersuchung, ein Schlaftagebuch über 7 bis 14 Tage und Fragebögen [3]. Die Polysomnographie soll laut Leitlinie eingesetzt werden, wenn der begründete Verdacht auf eine andere, organische Schlafstörung besteht. Sinnvoll ist sie außerdem bei Menschen mit Insomnie, die in ihrem Beruf sich oder andere gefährden könnten, etwa Berufskraftfahrerinnen und -fahrer oder Menschen an gefährlichen Maschinen [3]. Wie stark deine Ein- und Durchschlafprobleme sind, kannst du vorab mit dem Insomnie-Check einordnen.
Messung und eigenes Erleben passen bei einer Insomnie oft nicht zusammen. Die Leitlinie beschreibt, dass sich der gemessene Schlaf von Menschen mit Insomnie zwar von dem gesunder Schläfer unterscheidet, aber weniger stark, als ihre eigenen Angaben erwarten lassen. Diese Rückmeldung kann in der Behandlung sogar helfen [3]. Umgekehrt finden Untersuchungen im Schlaflabor bei Menschen mit Insomnie auch bei eindeutiger Vorgeschichte überraschend oft eine Schlafapnoe oder periodische Beinbewegungen [3].
Der Weg ins Schlaflabor
Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis [1, 6]. Für den Verdacht auf eine schlafbezogene Atmungsstörung legt die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für gesetzlich Versicherte eine Reihenfolge in vier Stufen fest [2]. Am Anfang stehen ein Gespräch über dein Schlaf- und Wachverhalten, wenn möglich auch mit der Person, die neben dir schläft, und Fragebögen zur Tagesschläfrigkeit. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, die unter anderem Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf-, neurologische und psychische Erkrankungen in den Blick nimmt. Passen Beschwerden und Befunde zu einer Atmungsstörung, kommt als dritte Stufe eine Polygraphie über mindestens sechs Stunden Schlaf [2].
Die Polygraphie läuft meist zu Hause. Du bekommst ein kleines Gerät, das über Nacht unter anderem Atmung, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Schnarchen und Körperlage aufzeichnet [1, 4]. Erst wenn auch danach keine Entscheidung über die Behandlung möglich ist, sieht die Richtlinie die Polysomnographie im Schlaflabor vor, und zwar über zwei aufeinanderfolgende Nächte [2]. Polygraphie und Polysomnographie dürfen nur Ärztinnen und Ärzte mit Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung durchführen und abrechnen [2]. Ob dein Schnarchen und deine Müdigkeit zu einer Schlafapnoe passen könnten, zeigt dir der Schlafapnoe-Risiko-Test. Typische Warnzeichen erklärt der Ratgeber Schlafapnoe: Anzeichen und Diagnose.
Was in der Nacht gemessen wird
Sensoren an Kopf und Gesicht erfassen die Hirnströme (EEG), die Augenbewegungen (EOG) und die Muskelspannung (EMG). Andere messen den Luftstrom an Mund und Nase, die Atembewegungen von Brust und Bauch, die Beinbewegungen und den Herzrhythmus. Ein Clip am Finger zeigt die Sauerstoffsättigung des Blutes, ein Mikrofon nimmt das Schnarchen auf, und ein Sensor registriert, wie du liegst [4]. Zusätzlich läuft eine Videokamera [1, 4].
Aus den Hirnströmen und Augenbewegungen ergeben sich die Schlafstadien. So lässt sich ablesen, wie lange und wie gut du geschlafen hast und ob es genug Tief- und Traumschlaf gab [1]. Bei Atemaussetzern zeigt die Messung, wie oft sie vorkommen, wie lange sie dauern, in welchen Schlafstadien und in welcher Körperlage sie auftreten und wie sich Herz-Kreislauf-System und Sauerstoffgehalt im Blut dabei verändern [1].
So läuft die Nacht ab
Du machst dich für die Nacht bettfertig, und das Personal bringt die Elektroden und Sensoren an. Es erklärt dir auch, wie du mit Kabeln und gegebenenfalls einer Atemmaske umgehst [4]. Die Nacht verbringst du in einem Einzelzimmer. In einem getrennten Raum überwacht schlafmedizinisch geschultes Personal die Aufzeichnung und kann bei gesundheitlichen oder technischen Problemen schnell reagieren [4]. Die Messung tut nicht weh, und trotz der Kabel sollst du dich im Bett möglichst frei bewegen können [4].

Eine Nacht mit Kabeln in einem fremden Bett ist ungewohnt, das räumt auch das österreichische Gesundheitsportal ein [4]. Die Richtlinie des G-BA sieht deshalb für die Diagnostik zwei aufeinanderfolgende Nächte vor. Die zweite soll, wenn möglich, mindestens sechs Stunden Schlaf bringen [2]. Wer im Schichtdienst arbeitet und einen anderen Schlafrhythmus hat, kann unter geeigneten Bedingungen auch am Tag untersucht werden [2].
Am Morgen werden die Sensoren wieder abgenommen [4]. Bei starker Schläfrigkeit kann am Tag noch ein Test folgen. Beim multiplen Schlaflatenztest prüft das Labor in mehreren Durchgängen, wie schnell du tagsüber einschläfst, beim multiplen Wachbleibetest, wie gut du wach bleiben kannst [4].
So bereitest du dich vor
Vor dem Termin bekommst du Informationen zum Ablauf und dazu, was du mitbringen sollst. Im Prinzip packst du wie für eine Übernachtung auswärts [4]. Einige Punkte erleichtern die Messung:

- Sag der Ärztin oder dem Arzt, welche Medikamente du nimmst, auch rezeptfreie. Manche Mittel beeinflussen den Schlaf. Ob du eines davon vorher absetzt, entscheidest du nur nach ärztlicher Absprache [4].
- Verzichte am Untersuchungstag ab 14 Uhr auf Alkohol, Kaffee, schwarzen Tee, Cola und andere anregende Getränke [4].
- Komm mit gewaschenem, trockenem Haar und ohne Haarspray oder Gel, damit die Elektroden am Kopf gut haften [4].
Hilfreich ist auch ein Schlaftagebuch der letzten Wochen. Die Insomnie-Leitlinie empfiehlt es für 7 bis 14 Tage, um Bettzeiten, Wachphasen und das Befinden am Tag festzuhalten [3]. Wie du es führst, steht im Ratgeber Schlaftagebuch führen.
Nach der Nacht: Ergebnis und Behandlung
Die Aufzeichnung wird nach der Nacht ausgewertet. Die Rohdaten muss eine qualifizierte Ärztin oder ein qualifizierter Arzt selbst ansehen, eine rein automatische Auswertung reicht nach der Richtlinie nicht [2]. Die Ergebnisse bespricht man mit dir in einem eigenen Termin und legt dabei das weitere Vorgehen fest [4].
Zeigt sich eine behandlungsbedürftige Schlafapnoe, ist bei schwerer Ausprägung die CPAP-Therapie am wirksamsten. Dabei strömt nachts über eine Maske Luft mit leichtem Überdruck in die Atemwege und hält sie offen [1]. Die Ersteinstellung auf das Gerät soll in der Regel unter Beobachtung im Schlaflabor stattfinden, wieder über zwei Nächte. Etwa sechs Monate später folgt eine Kontrolle mit einer Polygraphie, bei der auch geprüft wird, ob du das Gerät ausreichend nutzt [2]. Manche Menschen empfinden die Maske anfangs als unangenehm, ein Schulungsprogramm kann den Einstieg erleichtern [1].
Findet das Labor keine Atemstörung und keine Beinbewegungen, ist das bei Schlafproblemen ein wichtiges Ergebnis. Dann rückt die Behandlung der Insomnie selbst in den Mittelpunkt. Erste Wahl ist dabei laut Leitlinie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie [3]. Was sie umfasst, erklärt der Ratgeber Kognitive Verhaltenstherapie bei Schlaflosigkeit.
Schlaflabor oder Messung mit Uhr und App?
Viele Fitnessarmbänder und Uhren schätzen den Schlaf über Bewegungen. Die Insomnie-Leitlinie hält fest, dass viele Geräte dieser Art das Ausmaß von Schlafstörungen unterschätzen und die Schlafdauer im Vergleich zur Polysomnographie überschätzen. Ihr Nutzen für Diagnose und Verlauf einer Insomnie ist bisher nicht ausreichend belegt [3]. Anhaltende Beschwerden wie Atemaussetzer, die jemand beobachtet hat, starke Müdigkeit am Tag oder unruhige Beine gehören aber in die Praxis, auch wenn die Uhr eine gute Nacht meldet [1, 6].
- Behörde Obstruktive Schlafapnoe. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.07.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung, Anlage I Nr. 3: Polygraphie und Polysomnographie im Rahmen der Differentialdiagnostik und Therapie der schlafbezogenen Atmungsstörungen, §§ 2 bis 5. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand in Kraft seit 09.09.2026. abgerufen am 28.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen, Update 2025 (AWMF-Registernummer 063-003), Version 2.0, Kapitel 3. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM); Spiegelhalder K, Riemann D u. a.. Stand 2025, gültig bis 12.11.2029. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Schlaflabor (Polysomnographie). Gesundheitsportal Österreich, Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Stand 17.08.2022. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Restless-Legs-Syndrom. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 25.09.2024. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Schlafprobleme und Schlafstörungen (Insomnie). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.07.2024. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
Passt dazu
-
Ratgeber Wie viel Schlaf braucht man? Empfehlungen für jedes Alter
Wie viel Schlaf braucht man? Empfohlene Stunden nach Alter von NSF und AASM, was zu kurze und lange Nächte bedeuten und …
-
Ratgeber Schlafhygiene
Schlafhygiene: die Regeln aus Leitlinie, IQWiG und DGSM zu Kaffee, Alkohol, Licht, Bett und Schlafzimmer, jeweils mit Beleg …
-
Tests Morgenmüdigkeit-Check
Morgenmüdigkeit-Check mit 13 Fragen: Wie schwer kommst du morgens in Gang, und liegt es an Schlafdauer, innerer Uhr, Atmung …