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Restless Legs: Unruhige Beine am Abend verstehen und behandeln

Beim Restless-Legs-Syndrom spürst du in Ruhe einen Drang, die Beine zu bewegen, oft zusammen mit Kribbeln oder Ziehen; Bewegung lindert die Beschwerden, abends und nachts sind sie am stärksten. Dahinter stecken meist eine Veranlagung und ein gestörter Eisenstoffwechsel im Gehirn, manchmal auch Schwangerschaft, Medikamente oder andere Krankheiten. Die Hausarztpraxis klärt die Ursache, unter anderem mit einer Blutuntersuchung der Eisenwerte.

Restless Legs heißt auf Deutsch "unruhige Beine". Gemeint ist eine neurologische Störung, bei der du in Ruhe einen Drang spürst, die Beine zu bewegen, meist zusammen mit einem unangenehmen Gefühl tief in den Beinen. Die Beschwerden kommen vor allem abends und nachts, wenn du dich ausruhst, und können deshalb den Schlaf und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen [1]. Etwa 3 bis 10 Prozent der Menschen in Europa und Nordamerika haben ein Restless-Legs-Syndrom, kurz RLS [1]. Behandeln lässt es sich mit und ohne Medikamente, und oft lohnt zuerst ein Blick auf die Eisenwerte.

Wie sich Restless Legs anfühlen

Viele Betroffene tun sich schwer, das Gefühl zu beschreiben. Sie sprechen von Unruhe, Druck oder Spannung in den Waden, von Ziehen, Kribbeln, Jucken, Pochen, Schmerzen oder einem Hitzegefühl [1]. Selten sind auch die Oberschenkel, die Arme oder die Brust betroffen [1]. Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin (AASM) grenzt das Gefühl von Wadenkrämpfen und von Taubheit durch Durchblutungsstörungen ab [4].

Mann in den Fünfzigern sitzt am frühen Abend auf dem Sofa und streckt ein Bein aus, die Hände ruhen auf den Knien
Bild: KI-generiert

Typisch ist der Ablauf. Die Beschwerden beginnen, wenn du still sitzt oder liegst. Stehst du auf und gehst ein paar Schritte, lassen sie nach, und sobald du dich wieder hinlegst, kommen sie zurück [1]. Laut gesund.bund.de beginnen sie typischerweise kurz nach dem Zubettgehen [3]. Lange Autofahrten, Flüge oder ein Kinoabend können deshalb zur Geduldsprobe werden [4, 5]. Manche Menschen meiden solche Aktivitäten ganz, weil langes Sitzen für sie kaum auszuhalten ist [1].

Im Schlaf bewegen viele Betroffene zudem ungewollt die Beine, seltener die Arme. Fachleute sprechen von periodischen Beinbewegungen im Schlaf (PLMS) [1]. Nach dem US-Institut für neurologische Erkrankungen (NINDS) kommen diese Zuckungen typischerweise alle 15 bis 40 Sekunden und können die ganze Nacht anhalten. Viele Menschen mit RLS haben PLMS, die meisten Menschen mit PLMS haben aber kein RLS [5]. Wer so schlecht durchschläft, ist tagsüber oft erschöpft, gereizt und unkonzentriert. Das Syndrom kann auch die psychische Gesundheit belasten, bis hin zur Depression [1].

Die vier Merkmale der Diagnose

Eine Ärztin oder ein Arzt stellt die Diagnose anhand der Beschwerden. Neben dem Bewegungsdrang mit unangenehmem Gefühl in den Beinen müssen vier Merkmale zusammenkommen [1]:

MerkmalWas das bedeutetBeleg
Beginn in RuheDie Beschwerden zeigen oder verstärken sich, wenn du sitzt oder liegst[1]
Besserung durch BewegungSie lassen nach, sobald und solange du dich bewegst[1]
TageszeitSie nehmen im Lauf des Tages zu oder treten nur abends und nachts auf[1]
Keine andere ErklärungEine andere Erkrankung erklärt die Beschwerden nicht[1]

Das NINDS beschreibt außerdem eine beschwerdefreie Zeit am frühen Morgen als typisch [5]. Ob deine Beschwerden zu diesen Merkmalen passen, kannst du vor einem Arzttermin mit dem Restless-Legs-Check sortieren. Er ersetzt keine Diagnose, hilft aber, die Beschwerden genau zu beschreiben.

Ursachen und Auslöser

Vollständig geklärt sind die Ursachen nicht. Nach dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) spielen vor allem eine erbliche Veranlagung und Veränderungen im Nervensystem eine Rolle. Häufig ist der Eisenstoffwechsel im zentralen Nervensystem gestört, sodass im Gehirn zu wenig Eisen verfügbar ist, obwohl im Blut oft kein Eisenmangel auffällt. Auch ein unausgewogener Haushalt des Botenstoffs Dopamin, der unter anderem für Bewegungen wichtig ist, gilt als Ursache [1]. Die Veranlagung zeigt sich in Familien: Mehr als die Hälfte der Betroffenen hat Verwandte mit RLS, und wer Betroffene in der Familie hat, bekommt die Beschwerden eher vor dem 45. Lebensjahr [4].

Daneben gibt es Umstände, unter denen das Syndrom auftreten oder sich verstärken kann. Das IQWiG nennt eine Schwangerschaft, bestimmte Medikamente wie manche Betablocker oder Antidepressiva sowie Krankheiten wie eine chronische Nierenschwäche, Migräne, Parkinson, Multiple Sklerose oder das Reizdarmsyndrom [1]. Die AASM ergänzt Mittel gegen Allergien, Antihistaminika und frei verkäufliche Schlafmittel sowie viele Mittel gegen Übelkeit [4]. Das NINDS nennt zusätzlich Schlafmangel und andere Schlafstörungen wie die Schlafapnoe [5]. Setz ein Medikament deshalb nicht eigenmächtig ab. Sprich mit der Ärztin oder dem Arzt, die es verordnet haben: Manchmal lässt sich ein anderes Mittel finden [1].

Wer betroffen ist

Das Syndrom kann in jedem Alter beginnen und wird mit den Jahren häufiger. Frauen sind etwa doppelt so oft betroffen wie Männer [1, 3]. Bei etwa 1,3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind die Beschwerden so stark, dass sie den Alltag beeinträchtigen und eine Behandlung infrage kommt [1]. Kinder haben seltener ein RLS [1]. Die AASM schätzt, dass etwa 2 Prozent der Kinder alle Merkmale erfüllen [4]. Bei ihnen ist die Diagnose schwierig, weil sie ihre Beschwerden schlecht beschreiben können. Nach dem NINDS werden sie manchmal fälschlich als Wachstumsschmerzen oder als ADHS gedeutet [5].

Am Anfang sind die Beschwerden meist leicht und kommen nur abends und nachts in Ruhe. Über Jahre werden sie häufig stärker und können dann auch tagsüber auftreten, bei schweren Formen auch in den Armen [1]. Das NINDS beschreibt, dass es vor allem in frühen Phasen Wochen oder Monate mit wenigen oder keinen Beschwerden geben kann [5]. Viele Menschen warten nach der AASM jahrelang, bevor sie sich behandeln lassen, weil sie die Beschwerden nicht ernst nehmen [4].

Was in der Arztpraxis passiert

Die ersten Untersuchungen sind meist in der Hausarztpraxis möglich. Sie kann dich bei Bedarf in eine neurologische oder schlafmedizinische Praxis überweisen [1]. Gefragt wird nach den Beschwerden, nach anderen Erkrankungen und nach deinen Medikamenten. Eine Blutuntersuchung bestimmt die Eisen-, Nieren- und Schilddrüsenwerte [1]. Manchmal bittet die Ärztin oder der Arzt darum, zwei Wochen lang ein Schlaftagebuch zu führen [4]. Erzähl auch, ob jemand in deiner Familie ähnliche Beschwerden oder eine Schlafstörung hat [4].

Eine Untersuchung im Schlaflabor ist für die Diagnose meist nicht nötig. Sie kann folgen, wenn die Diagnose unklar ist oder andere Erkrankungen wie eine Schlafapnoe ausgeschlossen werden sollen [1, 4]. Wie eine solche Nacht abläuft, erklärt der Ratgeber Schlaflabor. Zusätzlich kann ein L-Dopa-Test gemacht werden: Du nimmst einmalig das Medikament Levodopa ein, und lassen die Beschwerden danach rasch nach, spricht das für ein RLS [1].

Wie Restless Legs behandelt werden

Ziel ist, die Beschwerden so gering zu halten, dass sie Alltag und Schlaf möglichst wenig stören. Steckt eine andere Erkrankung dahinter, wird zuerst diese behandelt [1]. Dann verschwinden die Beschwerden oft: Gelingt die Behandlung der Grunderkrankung, gehen sie zurück, und in der Schwangerschaft verschwinden sie nach der Geburt meist von selbst [1]. Ein RLS ohne erkennbare Ursache heilt dagegen in der Regel nicht von allein, lässt sich aber lindern [1].

Am Anfang steht oft das Eisen. Zeigt die Blutuntersuchung einen Ferritinwert unter 75 Mikrogramm pro Liter, verschreibt die Ärztin oder der Arzt laut IQWiG zunächst Eisentabletten für zwölf Wochen. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit und Verstopfung. Wer die Tabletten nicht verträgt oder stärkere Beschwerden hat, kann Eisen auch als Infusion bekommen [2]. Die Studien dazu sind laut IQWiG klein und kurz, deuten aber darauf hin, dass Eisen die Beschwerden lindern kann [2]. Nimm Eisenpräparate nicht auf eigene Faust ein. Die AASM rät, bei Verdacht auf Eisenmangel mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen [4]. Ob deine Beschwerden auch sonst zu einem Eisenmangel passen, kannst du mit dem Eisenmangel-Symptomcheck vorab einschätzen.

Helfen Eisen nicht oder sind die Eisenwerte unauffällig, kommen Medikamente infrage, die die Wirkung von Dopamin im Gehirn nachahmen (Dopamin-Agonisten). Weitere Möglichkeiten sind sogenannte Gabapentinoide, die für das RLS nicht zugelassen sind und deshalb im Off-Label-Use verschrieben werden, sowie starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide, wenn andere Mittel nicht ausreichen [2]. Opioide können abhängig machen [2]. Bei Dopamin-Agonisten können sich die Beschwerden unter der Behandlung verstärken, vor allem bei zu hoher Dosis. Fachleute nennen das Augmentation [1, 2]. Selten lösen diese Mittel in höherer Dosis impulsives oder zwanghaftes Verhalten aus, etwa eine Kauf- oder Spielsucht [2]. Grundsätzlich werden Medikamente beim RLS so spät und so niedrig dosiert wie möglich verschrieben [2]. Auch die deutsche Leitlinie der Neurologen und Schlafmediziner rät nach dem Bericht des Deutschen Ärzteblatts zu einem langsamen Vorgehen, das sich daran ausrichtet, wie stark Schlaf und Lebensqualität leiden. Laut diesem Bericht helfen Cannabinoide, Magnesium und Benzodiazepine beim RLS nicht [6]. Das IQWiG nennt dagegen schwache Hinweise, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Magnesium oder Vitamin B6 Beschwerden wie Bewegungsdrang und Kribbeln kurzfristig lindern können; die Studien dazu sind klein und dauerten im Schnitt fünf Wochen [2]. Welche Behandlung für dich passt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Was du selbst tun kannst

Einige Betroffene berichten, dass ihnen einfache Mittel guttun: die Beine massieren, bürsten oder abduschen, warme Fußbäder, Wickel oder Umschläge, Dehnen, Gymnastik und Entspannungsübungen [1]. Die AASM nennt bei leichten Beschwerden außerdem ein warmes Bad, ein Heizkissen, solange du wach bist, und Ablenkung durch eine Beschäftigung, die dich interessiert [4]. Für den Alltag rät sie zu täglicher Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung mit eisenreichen Lebensmitteln und weniger Stress. Koffein und Alkohol solltest du einschränken und nicht rauchen, weil das die Beschwerden verstärken kann [4]. Manchen hilft auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe [1].

Frau in den Sechzigern geht am frühen Abend im goldenen Licht ruhig über einen Parkweg zwischen Bäumen
Bild: KI-generiert

Gute Schlafgewohnheiten sind ein weiterer Baustein. Das IQWiG nennt den Verzicht auf Kaffee, Nikotin und Alkohol vor dem Schlafengehen, einen ruhigen Abend ohne intensiven Sport und viel Medienkonsum und ein dunkles, angenehm temperiertes Schlafzimmer [1]. Welche Regeln gut belegt sind, beschreibt der Ratgeber Schlafhygiene. Wie stark deine Nächte insgesamt leiden, zeigt der Schlafqualität-Test.

Für Verfahren ohne Medikamente gibt es bisher nur wenige, kleine und kurze Studien. Das IQWiG sieht schwache Hinweise, dass manche davon kurzfristig helfen können, etwa Wärmetherapie, Bewegungstraining wie Krafttraining oder Iyengar-Yoga, eine Bestrahlung mit Nahinfrarotlicht oder eine Kompression der Beine mit Luftmanschetten [2]. Krafttraining, Wärme- oder Kältetherapien und Elektrotherapien bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen meist größtenteils, die übrigen Verfahren musst du in der Regel selbst bezahlen [2]. Für Vitamin D und Baldrian ist kein Nutzen nachgewiesen [2].

Restless Legs in der Schwangerschaft

Schwangere haben häufig Restless Legs, vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel. Für sie kommen nur wenige Medikamente infrage. Bei niedrigen Eisenwerten kann ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel Eisen gegeben werden [2]. Bewegungstraining wie Yoga, mäßiger Sport oder Massagen lassen sich ausprobieren, auch wenn es dazu keine eigenen Studien mit Schwangeren gibt [2]. Meist verschwinden die Beschwerden nach der Geburt von selbst, laut AASM in der Regel innerhalb eines Monats [1, 4]. Wenn die Beine dich nachts immer wieder wecken, findest du im Ratgeber Durchschlafstörung weitere mögliche Gründe.

  1. Behörde Restless-Legs-Syndrom. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 25.09.2024. abgerufen am 28.10.2026
  2. Behörde Behandlungen bei einem Restless-Legs-Syndrom. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 25.09.2024. abgerufen am 28.10.2026
  3. Behörde Restless-Legs-Syndrom. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de, mit dem IQWiG. Stand 13.11.2025. abgerufen am 28.10.2026
  4. Fachgesellschaft Restless Legs Syndrome. American Academy of Sleep Medicine (AASM), sleepeducation.org. Stand 10.2024. abgerufen am 28.10.2026
  5. Behörde Restless Legs Syndrome. National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS), National Institutes of Health. Stand 13.03.2026. abgerufen am 28.10.2026
  6. Leitlinie Neue Leitlinie zum Restless-Legs-Syndrom (Bericht über die S2k-Leitlinie der DGN und DGSM, AWMF 030-081). Deutsches Ärzteblatt. Stand 05.09.2022. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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